Geschichte der SPD Rückersdorf

Die Anfänge

Über die Anfänge des SPD Ortsvereines Rückersdorf besitzen wir leider keine eigenen Unterlagen. Sollten welche vorhanden gewesen sein, so wurden sie in der Zeit des Dritten Reiches vernichtet.

Evi Kleinöder und Wilhelm Rosenbauer, Autoren des Buches „Rückersdorf im Wandel“, erschienen 1984, haben bei ihren Recherchen die Ar-chive der ehemaligen Bezirksämter Hersbruck und Lauf, sowie der Gemeinde Rückersdorf durchkämmt. Demnach wurde im Jahre 1898 ein Wahlhilfeverein der SPD in Rückersdorf gegründet. Es bleibt jedoch offen, ob dieser Verein von damals bis 1933 lückenlos bestand. Man kann nun darüber streiten, zählen Unterbrechungen oder nicht? Von 1933-1945 war der Wahlhilfeverein ja auch aufgelöst und verboten - und das gereicht uns zur Ehre. Lassen wir die Spitzfindigkeiten. Jedenfalls war es vor 125 Jahren, dass ein Wahlhilfeverein der SPD in Rückersdorf gegründet wurde. Der Vorstand bestand übrigens aus einem Heizer, 3 Fabrikarbeitern und einem Steinbrucharbeiter.

Sozialdemokraten und sozialdemokratische Wähler gab es allerdings bereits seit den ersten Reichstagswahlen in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in Rückersdorf. „Es sind gutartige, unschädliche Sozialdemokraten und würden ihre Namensvettern alle in den übrigen deutschen Ländern ihnen gleichen, so hätte der Staat sie nicht sonderlich zu fürchten“ schrieb ein Pfarrer in seinem Bericht über die Pfarrei 1875-1878.

Aus dem Eintrag des Pfarrers lässt sich herauslesen: Die SPD als Partei wurde sehr ernst genommen und ihre Aktivitäten genau beobachtet. Den Arbeitern in den Betrieben der Umgebung ging es nicht sonderlich gut. Die Arbeiter versprachen sich durch Unterstützung der SPD wirtschaftliche Verbesserungen. Und nebenbei, in dem so glorreichen Deutschem Kaiserreich, der „guten alten Zeit“ scheint es so etwas ähn-liches wie einen Informativen Mitarbeiter „Pfarrer“ gegeben zu haben, der getreulich der Obrigkeit nicht nur über das Verhalten seiner Schütz-linge sondern auch über das der ungetreuen oder abfälligen Schäflein berichtete. Die sonst aber eher als umstürzlerisch verrufenen Sozialdemokraten und deren Aktivitäten in verschiedenen Vereinen wurden sehr streng überwacht. Alle Veranstaltungen mussten 24 Stunden vorher angemel-det werden. Eine Art „Quotenregelung“, die natürlich nicht von der Par-tei sondern der Obrigkeit ausging, gab es auch schon. Sie lag genau bei Null Frauen, denn „Frauenspersonen“ und Minderjährigen war die Teilnahme an den Veranstaltungen und der Beitritt zu den Vereinen verboten.

1912 war Rückersdorf ähnlich wie Röthenbach zu einer weitgehenden Arbeitersiedlung geworden, wenn auch mit stärkerem landwirtschaftlichem Einschlag. 62 Arbeiter gab es nun, und das war die Hälfte aller Berufstätigen. Der Dienstleistungssektor war sehr bescheiden vertre-ten: Gerade mal 2 Kaufleute, 1 Reisekaufmann, 2 Bürogehilfen, 1 Post-bote und 4 Eisenbahnangestellte bildeten die Vorhut für die überwältigende Mehrheit in unserer gegenwärtigen Einwohnerstruktur.

Bereits im April 1932 erhielt die NSDAP über 50% der Stimmen. Im März 1933 fielen 63% an die NSDAP – 548 Stimmen und nur 171 für die SPD. Das waren immerhin 20%. Trotz allem ein beachtlicher Rest und ein Zeichen dafür, dass sich Sozialdemokraten anscheinend weni-ger beeindrucken ließen als viele andere.

Im Zuge der folgenden sogenannten Gleichschaltung zogen dann im April des gleichen Jahres 10 NSDAP Gemeinderäte in den Gemeinderat ein, denen nur noch 2 der SPD gegenübersaßen. Auch diese muss-ten nach der Auflösung der SPD und aller ihr nahestehenden Vereine im August 1933 ausscheiden. Diese Vereine waren ein Sozialdemokratischer Verein, Sektion Rückersdorf, ein Arbeiterradfahrerverein „Solidarität“, ein Arbeitergesangsverein „Liederzweig“, sowie ein Arbeiter – Turn und Sportverein „Eiche“.

Nachkriegszeit

Die amerikanische Militärregierung berief im November 1945 einen neuen Gemeinderat mit Karl Holzmann als 1. und Leo Notz als 2. Bür-germeister (Beide SPD). Karl Holzmann konnte sich auch 1952, 1956 und 1960 in der Wahl behaupten (später für die FWG).

Leo Notz war es auch, der zusammen mit dem Genossen Matthäus Wölfel, Andreas Ganselmeier, Georg Scheibel, Georg Leykam, Max Böhm und anderen den Ortsverein neu ins Leben rief. In dieser Zeit fanden viele den Weg zur Rückersdorfer SPD. Sie kamen sowohl aus dem zerstörten Nürnberg oder als Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten.

Die erste Nachkriegswahl fand am 27. Januar 1946 statt und brachte für die SPD bei einer Wahlbeteiligung von 97,1% ein nie mehr zu über-bietendes Ergebnis. Alle 9 Sitze fielen an die SPD. Wie konnte das ge-schehen? Die Lösung besteht darin, dass der Wahlvorschlag einer Bürgerlich-Christlichen-Demokratischen Vereinigung trotz heftiger Proteste aus formalen Gründen nicht zugelassen wurde. Es gab nur je einen Wahlvorschlag der SPD und der KPD.

Die 60er Jahre und die letzten 50 Jahre

Der Neubau vieler Einfamilienhäuser und der Zuzug aus Gebieten mit überwiegend katholischer Bevölkerung hatte die Bevölkerungsstruktur gewaltig verändert. Zwar hatte die Verabschiedung des Godesberger Programmes 1959 die SPD auch für andere als die traditionellen Bevölkerungsschichten wählbar gemacht, doch das zeigte sich noch nicht in den kommunalen Wahlergebnissen.

Ein Mann, nämlich Leo Notz, muss an dieser Stelle noch einmal erwähnt werden. Er vertrat von 1948 bis 1984 die SPD und Rückersdorf im Kreistag.

Jetzt kam die Zeit der 1969 gegründeten Jusos. Matthäus Wölfel, langjähriger Vorsitzender des Ortsvereins und andere hatten die Initiative dazu ergriffen. Voll Tatendrang unterstützen sie die engagierten Jun-gen, die sich für die Ziele der SPD und die Belange der Rückersdorfer Bürger einsetzten. Vor allen Dank ihrer Aktionen erreichte die SPD mit Günter Teichmüller als Bürgermeisterkandidaten 1972 ein hervorragendes Ergebnis. Günter verlor zwar die Wahl, aber denkbar knapp: er erreichte über 49% gegen einen amtierenden Bürgermeister! Die Anzahl der Sitze konnte auf 6 verdoppelt werden. In der Zeit der sozial – liberalen Koalition herrschte eine großartige Aufbruchstimmung im Ortsverein. Fast 50 neue Mitglieder konnten in den späten 60ern und den 70er Jahren für die SPD gewonnen werden.

Eine zweite Eintrittswelle Ende der 80er Jahre erhöhte die Anzahl der Mitglieder das erste Mal über 100.

Leider konnte diese Zahl nicht gehalten werden. Die Ortsvereinsvorsitzenden der letzten 50 Jahre Heinz Schatto, Reinhold Hauptmann, Peter Leibl, Claudia Amm, Jakob Brückner, Hans-Dieter Brückner, Tim Koß und wieder aktuell Claudia Amm mühten sich beständig die Mitgliederzahl anzuheben, aber gegen die sich naturgemäß entwickelnde Überal-terung und die mangelnde Bereitschaft der folgenden Generation, sich politisch in der SPD zu engagieren, kämpften sie vergeblich an.

Ab 1972 war die Sitzverteilung für die SPD im Gemeinderat für 24 Jahre konstant. Es waren 6 von 16, Sitzen, also ca. 37%.

1984 zogen dann erstmals zwei Frauen in den Gemeinderat ein, für die SPD Heidi Sponsel. ihr Mann Klaus hatte verzichtet, da es damals noch nicht möglich war, dass Verwandte oder Eheleute gemeinsam im Rat vertreten sein konnten.

Zurzeit stellen wir mit Anna Achziger und Claudia Amm nur noch 2 Ge-meinderätinnen, während z.B. die Grünen nun 4 Sitze innehaben. (Alle Mitglieder des GR auf einer Extra-Liste)

Auch die Bemühungen das Bürgermeisteramt zu übernehmen, schei-terten immer wieder. Nach Günther Teichmüller konnten sowohl die männlichen Kandidaten für das Bürgermeisteramt wie Heinz Schatto, Dieter Fuchs und Dr. Klaus Haupt als auch Heidi Sponsel und Claudia Amm nie die Wahlen für sich entscheiden, auch wenn es durchaus Ach-tungserfolge gab.

Tatsächlich gibt es aber auch positive Entwicklungen:

Die beiden letztgenannten Heidi Sponsel und aktuell Claudia Amm konnten sich immerhin als 2. Bürgermeisterinnen (Zuletzt 1966 Mathäus Wölfel) in den letzten zwei Perioden durchsetzen.

Durchaus beachtlich ist weiterhin, dass von aktuell 5 Trägern der Ehrenmedaille der Gemeinde Rückersdorf, drei die SPD im Gemeinderat über Jahrzehnte vertreten haben und darüber hinaus sich ehrenamtlich anderweitig für Rückerdorf in außergewöhnlichem Ausmaß verdient gemacht haben, wie es die Bedingungen vorsehen. Dies war in den letzten Jahrzehnten genauso.

Zu den aktuellen Trägern der Ehrenmedaillen hier nur blitzlichtartig ein paar Bemerkungen, jeweils nur mit Ausschnitten ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten:

Heidi Sponsel (Verleihung 2022):

Gemeinderätin von 1984-2020 Seit 2008 1. Vorsitzende der AWO

6 Jahre 2. Bürgermeisterin (2014-2020)

Seit 04.07.2019 Senioren- und Behindertenbeauftragte der Gemeinde

Schon allein durch diese kleine Aufzählung wird klar, wo der Schwer-punkt, von Heidi neben der Kommunalpolitik lag und liegt, nämlich in der sozialen Arbeit.

Einen anderen Schwerpunkt hatte und hat Gerhard Eitner (Verleihung 2015). Auch er war 36 Jahre für die SPD im Gemeinderat (1978 bis 2014) Sein primärer Wirkungskreis jedoch war und ist die evangelische Kirchengemeinde. Als Bauarbeiter aber auch als Prädikant und Pfarrge-meinderat tätig, gründete den hiesigen Diakonieverein mit und enga-gierte sich in der landeskirchlichen Gemeinschaft.

Einen weiteren Schwerpunkt verkörpert Dieter Fuchs, nämlich das Vereinsleben mit dem größten Verein dem Turn- und Sportverein Rückersdorf. Er erhielt im Dezember 2002 als langjähriges Mitglied des Gemeinderates Rückersdorf (1972-2002, 30 Jahre), Leiter der Theaterabteilung im TSV und Vorsitzender des Vereinskartells, dem Zusammenschluss aller örtlichen Vereine, die Ehrenmedaille.